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Collegium Alexandrinum

der Universität Erlangen-Nürnberg

 

Martius-Pharmakognosie-Sammlung:

„Mohn, Opium, Morphin, Heroin – Geschichtliches und Aktuelles“

 

Führung am 30. April 2005

 

Ort: Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie, Schuhstraße 19

 

Prof. Dr. Karl Knobloch

 

 

Mit den frühen Anfängen der Agrikultur schon  hat der sesshaft gewordene Mensch den ölreichen Mohnsamen und ebenso den Milchsaft der unreifen Kapseln, das Opium, genutzt. In zahlreichen, auch erschütternden Berichten aus zahlreichen frühen Kulturen wissen wir von der heilsamen und ebenso von der verderblichen Wirkung des süchtig machenden Betäubungsmittels Opium und seiner Zubereitungen.

In der Martius-Sammlung sind dazu über 200 Jahre alte Anschauungsobjekte erhalten in Form von Mohnkapseln, die zur Sammlung des austretenden Milchsaftes angeritzt worden waren, und ebenso in Form des zu handtellergrossen „Opium-Broten“ geformten, eingetrockneten Milchsaftes.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden aus dem Opium die wirksamen Substanzen (Morphin, Codein, Papaverin u.a.) isoliert, und es begann ihre Anwendung zum Heil und Unheil.

Die moderne Naturwissenschaft und Medizin hat den sinnvollen Einsatz der Opium-Inhaltstoffe weiter entwickelt und ihre Molekülstrukturen zu spezifisch wirksamen ‚Opioiden’ umgebaut zum Heil der Schmerz-Leidenden. Das Unheil der Sucht ist geblieben. Die Produktion von Opium, die Isolierung des Morphins, dessen Umsetzung zum noch teureren Heroin ist auch heute noch die Geldquelle vieler Armen auf der Welt.

 

Zur Martius-Sammlung:

Vor mehr als 200 Jahren begann der Erlanger Hofapotheker Ernst Wilhelm Martius (1756-1849), Dr.h.c.mult., seit 1818 der erste Dozent für Pharmazie an der Friedrich-Alexander-Universität, mit der Sammlung natürlicher Rohstoffe aus aller Welt, die als Ausgangsmaterial für Arzneien, Nahrungsmittel und Bedarfsgegenstände galten; in getrockneter, haltbarer Form waren dies „Drogen“.

 

Von seinen beiden Söhnen vermehrte die Sammlung mit grossem Eifer besonders der jüngere, Theodor Wilhelm Christian Martius (1796-1863), promoviert an unserer Universität und als Apotheker Nachfolger seines Vaters in der Hofapotheke. Auch er wurde Dozent und war ab 1848 Professor für Pharmazie und Pharmakognosie („Drogenkunde“). Die Studenten experimentierten in seinem Apotheken-Labor, das er der Universität zur Verfügung stellte.

 

Sein älterer Bruder, Carl Friedrich Phillipp von Martius, (1794-1868), Dr.med., trug auch zur Sammlung bei, besonders da er als Professor der Botanik in München und bekannter Naturforscher im Auftrage des Königs auf grosse Exkursion nach Brasilien fahren konnte.

 

Die „pharmakognostisch-pharmazeutisch-technische Sammlung des Dr. Theod. Wilh. Christ. Martius“ wurde 1847 in einem „numerischen Verzeichnis“ erfasst; sie wurde 1862 von der Universität erworben und war dann für lange Zeit vergessen und verstreut aufbewahrt in verschiedenen Instituten um den Schlossgarten.

 

Heute ist die Martius-Sammlung ideal im Dachgeschoss des Instituts für Pharmazie und Lebensmittelchemie untergebracht; ein Seminarraum nebenan ermöglicht die ausführlichere Besprechung ausgewählter Drogen. – Die Sammlung enthält nahezu vollständig die im 19. Jahrhundert bekannten Arzneidrogen und ermöglicht somit einen besonderen Blick in das naturwissenschaftliche Verständnis dieser ereignisreichen, bedeutenden Zeit.

 

Die Martius-Sammlung und ihre Geschichte

 

 

 

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Stand: 31. März 2005,

ergänzt am 26. Dezember 2007/10. November 2008

Foto: Prof. Dr. Karl Knobloch